Samstag, 25. Februar 2006

Going Underground II: Schwarzfahren

In Lyon wurde ich zur Schwarzfahrerin!

Tram in LyonEs gibt eine Menge Gründe, die TCL (Transport Lyonnais en Commun) zu benutzen, ohne dafür bezahlen zu möchten: Als Fahrgast fühlte ich mich regelrecht dazu berufen, die äußerst schwachen Mechanismen der Kartenkontrolle zu umgehen. Zudem war ich, als ich das erste Mal nach Lyon kam, eine mittellose Erasmus- Studentin und darauf bedacht, meine letzten Momente als träumerische Rebellin auszukosten.

Die Kontrolleure der TCL begehen seit Jahren (heute übrigens auch noch) den Fehler, dass sie in ihrer vollen Montur und stets in Gruppen unterwegs sind. Dies lässt sogar dem verschlafensten Fahrgast genügend Zeit, sich bei Gefahr unmerklich aus der Metro, dem Bus oder der Tram zu schleichen. Allerdings sollten sich Schwarzfahrer davor hüten, in letzter Sekunde in eine U-Bahn zu springen: Diese fiesen Kontrolleure verhalten sich an Bord nämlich mucksmäuschenstill, sodass man sie übersieht und unweigerlich in ihre Finger gerät.

TCL TicketSollte man sich dann tatsächlich aus Versehen in der Situation wiederfinden, dass die TCL-Männer nach einem gültigen, entwerteten Fahrausweis fragen, dann hilft nur die Flucht nach vorn: Vom Ausländersein profitieren. Franzosen sind bekannterweise nicht die besten, was das Sprechen von Fremdsprachen angeht. Deutsch ist darüber hinaus eine Sprache, die noch weniger gesprochen wird als vergleichsweise Englisch. Nun erklärt man den Kontrolleuren kurzerhand in fließendem Deutsch, dass man doch eine Fahrkarte hätte (also wenigstens einmal ein Ticket kaufen, aber NICHT entwerten), und dass man gar nicht verstünde, wo das Problem läge.

Das hilft! Und nur nicht dazu bringen lassen, auf englisch zu sprechen. In solch einer Situation bin ich wahrlich keiner einzigen Fremdsprache mehr mächtig. Sie etwa? ;-)

Und noch was Schönes: Als Deutsche sind wir dank eines Sonderabkommens nicht mehr dazu verpflichtet, eine "Carte de Séjour" zu beantragen - was übrigens eine Menge Zeit und schmerzvolles, teilweise sinnloses Anstehen erspart -. Sollten also die Messieurs auf das Vorzeigen des Ausweises bestehen, ziehen wir kurzerhand unseren deutschen Pass hervor.

Metro Station in LyonDamit hat der gewiefte Schwarzfahrer auf ganzer Linie gewonnen: Das Schlimmste, das jetzt noch passieren könnte, ist, dass uns die netten Herren an eine Entwertungsstation führen und uns vorführen, wie ein Ticket rechtmäßig entwertet wird. Nun schauen wir sehr erstaunt und dankbar drein, und wir sparen uns die 70 Euro Bußgeld!

Schade nur, dass die TCL seit vergangenem Jahr in allen Stationen Sicherheitstüren anbringen, die man ausschließlich mit gültigem Fahrausweis durchschreiten kann... Aber auch hierfür lassen sich tolle Varianten finden, da die Türen ziemlich lange geöffnet bleiben, sodass mindestens zwei Personen auf einmal hindurch passen.

Neben Unwetterkatastrophen und Metros in Not gibt es also nach wie vor gute Gründe - selbst für zwischenzeitlich arbeitende Ex-Studenten - in Lyon schwarz zu fahren: Der Preis eines Monatstickets ist für das, was an Service geliefert wird, einfach viel zu hoch.

Ich wünsche erfolgreiches Schwarzfahren!

Keine Kommentare: