Samstag, 1. April 2006

Französische Phonologie des Englischen

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten, richtigen "Apéro", ein Apéritif-Abend, bei französischen Freunden. Dort wurde mir neben einer Reihe von Knabbereien auch ein Getränk namens "Belees" angeboten. Da ich es ich nicht kannte und an jenem Abend nicht besonders abenteuerfreudig war, lehnte ich dankend ab und entschied mich für einen Portwein. Kurz darauf sah ich die Gastgeber mit einer Flasche Baileys hantieren, äußerte ein erstauntes "Wow, ihr habt Baileys!", und merkte plötzlich, dass dieses /belees/ wohl die französische Variante des englischen Wortes Baileys sein sollte.

Solche Aha-Erlebnisse phonologischer Art können in Frankreich häufiger vorkommen, und ich bin immer wieder verblüfft, mit welcher Beharrlichkeit, die ganz offensichtlich falsche Aussprache des Englischen, von einer Generation an die darauf folgende weitergegeben wird.

Da wären beispielweise die absoluten Hits unter den offiziell zugelassenen, zwischenzeitlich eingebürgerten, Anglizismen: Pub, Club, Hub oder gar das berüchtigte "F-Word". All diese Wörter zeichnen in der französischen Phonologie des Englischen dadurch aus, dass der eigentlich kurze englische /a/-Laut konsequent als /ö/ interpretiert wird. Fragen Sie jeden Franzosen, weshalb er dies tut, erhalten Sie als Antwort: "Das haben wir so in der Schule gelernt!" Ok, immerhin ist da eine gewisse Logik dahinter. Und es gibt im Englischen tatsächlich ein Reihe von Worten, die mit diesem /ö/-Laut ausgesprochen werden, nämlich alle die, die unmittelbar nach dem "u" ein "r" aufweisen, zum Beispiel "curry". Aber genau hier macht der Franzose eine Ausnahme und sagt /cürri/! Ich verstehe das nicht!

All diese Wörter kommen recht häufig im täglichen Sprachgebrauch vor, und die meisten Deutschen, die nach Frankreich kommen, sind auf diese lautlichen Feinheiten bereits eingestellt. Was geschieht aber nun, wenn man mit Film- oder Schauspielernamen, oder mit den Namen großer ausländischer Persönlichkeiten konfrontiert wird? Da wäre etwa die australische Sängerin /killie minog/ zu nennen oder der britische Schauspieler /ü grant/ (bitte den Nasallaut auf dem "an" nicht vergessen!) oder noch besser, Der Film /lietel wepen/. Daran habe ich eine ganze Weile geknabbert, bis ich herausgefunden habe, dass mein Gegenüber von "Lethal Weapon" sprach.

Schließlich wären noch einige englischen Importwörter anzubringen, gegen die sich die französische Sprach-Gesetzgebung immer weniger erfolgreich zur Wehr setzt. Immerhin besteht die "Académie Française" seit Beginn des 17. Jahrhunderts und hat heute die Aufgabe, alle fremdsprachlichen Parasiten dem Französischen fernzuhalten. Das ist ihnen mit dem /wokmaan/ (nein, das ist nicht etwa die Bezeichnung für den chinesischen Koch!), den /skuts/ (Scouts: Pfadfinder) oder der /kuntri/ Musik leider überhaupt nicht gelungen. Und auf dem Lyoner Radiosender Fréquence Jazz können Sie viel /saul and dschahs/ hören.

Fazit: So wie in Frankreich ein ausgeprägter Sprachpurismus herrscht, plädiere ich für einen Phonolgie-Purismus und fordere eine korrekte Ausbildung der französischen Englischlehrer! In der Zwischenzeit freue ich mich über die Zusendung weiterer lustiger Beispiele von englischen Wörtern in der französischen Sprache.

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  • 1 Kommentar:

    Anonym hat gesagt…

    plädiere des weiteren fuer eine angemessenere ausbildung ALLER aus suedeuropa stammenden bzw. dort unterrichtenden englischlehrer!Marina