Donnerstag, 8. Juni 2006

Fußball WM 2006 in Germany

Die Welt zu Gast bei Freunden

Was für ein Slogan! Da haben sich Kommunikations- und Werbeexperten wirklich einiges einfallen lassen, um das Image Deutschlands im Ausland zu verbessern.

Ich denke, es ist an der Zeit, dass sich Deutschland auf positive Weise in Szene setzt. Denn ich stelle immer wieder fest, dass gerade hier in Frankreich in vielen (französischen) Köpfen das uralte Bild Deutschlands als "Besatzungsnation" vorherrscht. Dieser Gedanke geht soweit, dass sich einige Menschen daran erfreuen, auch heute noch Schimpfwörter zu benutzen, wenn sie erfahren, dass ich Deutsche bin.

Ob dies als Spaß gedacht ist oder einfach aus der völligen Unkenntnis der Nachbarkultur herrührt, sei zunächst dahin gestellt. Tatsache ist jedoch, dass sehr viele Franzosen Deutschland ausschließlich aus den Geschichtsbüchern kennen und noch niemals selbst das Land bereist haben.

Nun also die Chance für Deutschland, sich während der WM als Freund der Nationen darzustellen. Und für die verschiedenen Fußballnationen die Gelegenheit, über das Gastgeberland zu berichten. Da fiel mir gestern Abend in den Nachrichten auf France3 ein kleiner Bericht über Stuttgart auf (Frankreichs erstes WM-Spiel wird dort kommenden Dienstag stattfinden): Nach einem kurzen Blick auf das Stadion mit leuchtendem Mercedes-Stern schweift die Kamera auf das türkische Stadtviertel Stuttgarts, das im Bericht als Klein-Istanbul bezeichnet wird. Immigranten erzählen, dass sie sich nicht verstanden fühlen und nicht in die Gesellschaft integriert würden.

Dennoch sagen einige, dass sie während der WM die deutsche Mannschaft unterztützen würden, weil sich die Türkei nicht qualifiziert hat. Der Bericht endet mit der Aussage, dass der Rassismus in Deutschland wieder zunimmt.

Meine Frage nun: Warum wird im französischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein Bericht über Stuttgart gesendet, der Deutschland als ausländerfeindliches Land zeigt? Ich bin dafür, über Missstände zu berichten, das ist keine Frage. Ich denke jedoch, dass es in Deutschland andere Städte gibt, die von Ausländerfeindlichkeit stärker betroffen sind als Stuttgart.

Und wieso muss Deutschland immer in Verbidnung mit Fremdenhass gebracht werden? Ist dies möglicherweise eine Taktik, die Probleme im eigenen Land zu vertuschen? Schließlich war es in Frankreich, wo Le Pens Partei im Jahre 2002 beinahe die Präsidentschaftswahlen gewonnen hätte.

P.S.: Ein paar Tage, nachdem ich diesen Post veröffentlicht hatte, habe ich erfahren, dass es in Stuttgart kein "Türkenviertel" namens Klein-Istanbul gibt.

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