Sonntag, 4. Juni 2006

Halbwertszeit eines Autos in Frankreich

Was dem Franzosen der sich wohlig räkelnde und vor Freude grunzende Hund auf dem Sofa, ist dem Deutschen das überdurschnittlich gut gepflegte, saubere und rostfreie Auto in der heimeligen und heimischen Garage. Daher ist es dem gewöhnlichen Deutschen äußerst unverständlich, wie Franzosen es übers Herz bringen, in Autos wie diesem durch Stadt und über Land zu fahren:

Beobachtet der wachsame Betrachter einmal die Fahrweise unserer liebenswerten Nachbarn, dann fällt ihm bald auf, dass das (Über-) Leben eines Autos (und natürlich auch seiner Insassen) in Frankreich kein leichtes ist.

Stadtfahrten
Frei nach dem Motto "Wer am besten drängelt, hat gute Chancen sich seine Vor- oder Weiterfahrt zu erkämpfen", geht es im alltäglichen Straßenverkehr zu. Dabei ist es einzig und allein der über Generationen hinweg vermittelten (oder vererbten?) schnellen Reaktionsfähigkeit zu verdanken, dass die Fahrer trotz wüsten Überhol- oder sonstigen Manövern meistens flexibel ausweichen und sich lediglich ein paar Schrammen zuziehen. Selbstverständlich unter verstärktem Einsatz von Hupe und wilden Gesten!

Einparken
Geparkt wird ebenfalls mit viel Schwung, wobei die Stoßstangen sämtlicher in das Parkmanöver verwickelten Autos ihre optimale Leistung erbringen. Jedenfalls so lange, wie es das Material erlaubt. Aber sie haben Recht, die Franzosen: Wozu sind Stoßstangen denn da, wenn man sie nicht für das benutzt, wofür sie da sind? Da können die Deutschen noch einiges lernen!

Regenfahrten
Es scheint, als hätten die Franzosen eine Riesenangst vor Regen auf der Fahrbahn. Denn bei Regenwetter kommt der Verkehr komplett zum Erliegen, da es niemand mehr wagt, schneller als Schritttempo zu fahren. Warum, habe ich mich eine Zeit lang gefragt. Dabei lag die Antwort auf der Hand: schlechtes Reifenwerk! Der Besuch einer Werkstatt ist teuer, und Reifen sind es sowieso. Also: Bei Regenwetter können Fahrten auf französischen Straßen mitunter etwas länger dauern!

Das Auto ist für Franzosen demnach ein Gebrauchsgegenstand und kein Statussymbol. Ein kleiner Rundgang auf dem Parkplatz, auf dem sich die Autos meiner Kollegen tummeln, lässt einige interessante Vermutungen zu, die ich hier selbstverständlich nicht näher ausführen werde :-)

  • Chefauto: groß und dunkelgrün, erinnert mich an einen amerikanischen Straßenkreuzer, obwohl es sich um einen Peugeot handelt (oder war's ein Citroen???). Ich glaube, er hat keine auffälligen Kratzer.

  • Firmenwagen: haben einige Schrammen und gewiss einige Tücken, die wohl dann behoben werden, wenn das Auto dringend zum TÜV muss.

  • Auto meines Kollegen aus dem Elsass: Garagenwagen, gehegt und gepflegt, kein Kratzer. Hm, Elsässer wohnen einfach zu nah an Deutschland. Könnte jedoch auch einen geschichtlichen Hintergrund haben ;-)

  • Das Auto unserer Assistentin: hat ihr vorheriges Auto nach mehreren Unfällen endgültig zu Schrott gefahren. Mit dem Neuen wird ihr das sicherlich auch gelingen. Einer der beiden Außenseitenspiegel wird mit Hilfe von Paketklebeband an ursprünglich vorgesehenem Platz gehalten.

  • Die Autos der restlichen Kollegen: Teilweise Opfer mehrfacher kleinerer oder größerer Unfälle knarzen die Autotüren beim Einsteigen beträchtlich. Bin ich froh, dass ich meistens nur kleinere Strecken mitfahre, und ich danke jedes Mal dem Himmel, wenn ich gesund und munter am Ziel ankomme.


  • Da ich mir nun eine Menge Freunde gemacht habe, werde ich wohl in Zukunft ausschließlich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. In Lyon ist das, wenn man nicht gerade nach Mitternacht unterwegs sein möchte, gar kein Problem. Und Gott sei Dank gibt es ja auch noch andere Menschen, die (halbwegs) funktionstüchtige Autos haben.

    1 Kommentar:

    deine Liebste hat gesagt…

    Ton article m'a inspiré une métaphore, à propos d'une histoire qui m'est arrivée récemment, et que tu connais.
    Quelquefois, certaines personnes te cabosse,te casse, comme si tu étais une voiture(française).Tu es tranquille, la route est droite et tout d'un coup, un obstacle (une personne nuisible), te percute, te fait mal, mais tu résistes, car tu es plus forte, et plus maligne (ce qui n'est parfois pas très difficile)
    Comprenne qui peux.